Vom römischen Handelshafen zum Stadtquartier der Zukunft

So lautet der Titel einer Führung durch den Zollhafen, die vom Verein „Geographie für Alle e.V.“ und der „Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG“ monatlich sonntags angeboten wird. Die Führung ist kostenlos.

Eine Gruppe von 17 Teilnehmern, hauptsächlich Anwohner der Mainzer Neustadt, lauschte gestern den Worten Herrn Maiers, wenn es um die Hintergründe der Stadtplanung oder die Bedeutung als Handelshafen in der Römerzeit (im Gegensatz zur Kriegsflotte im Winterhafen) oder um die feierliche Eröffnung 1887 ging.

Im historischen Weinlagergebäude, erbaut 1910, momentan eher wenig genutzt, bekamen wir die Gelegenheit, das Modell des zukünftigen Quartiers zu bestaunen. Insgesamt gibt es 28 Baufelder, für die verschiedene passende Investoren gesucht bzw. zum Teil schon gefunden wurden. 2025 soll das ganze komplett fertig sein. 8 ha Wasser, 22 ha Land, davon 16 ha bebaut (1 ha = 10.000m²).

Verkehr

Für jede der ca. 1500 Wohnungen wird grob geschätzt ungefähr ein Stellplatz in den Tiefgaragen inkl. der Quartiersgarage im Norden zur Verfügung stehen. Die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel soll im Norden über die Straßenbahnlinie 59 und entlang der Rheinallee über Busse erfolgen.

Tenor des Vortrags ist, dass es sicher zum Verkehrsinfarkt käme, falls jemand auf die Idee käme, eine weitere Straßenbahn-Linie in der Rheinallee fahren zu lassen. Die vielen Mainzer Autofahrer könne man nicht davon überzeugen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

Gentrifizierung

Als Gentrifizierung (ausgesprochen Djentryfizierung) bezeichnet man den Strukturwandel großstädtischer Viertel verbunden mit dem Zuzug zahlungskräftiger Eigentümer und Mieter. Im neuen Stadtviertel sind nur wenige Sozialwohnungen geplant. Weil die Preise ansonsten eher hoch sind, und die Blockbebauung an der Rheinallee einen Schallschutz für das Viertel bilden soll, spricht ein Teilnehmer von „10% Sozialwohnungen in lebenden Schallschutzmauern“.

Der Vortragende berichtet, dass er während einer früheren Führung deswegen schon persönlich angegangen wurde, obwohl er doch gar nicht für die Planung verantwortlich war, sondern nur darüber berichtet. Ansprechpartner für solche Fragen wäre z.B. der Stadtrat.

Hochwasser

Planerisch am anspruchvollsten ist der Hochwasserschutz. Eine Stufenbauweise soll dafür sorgen, das Wasser bei Bedarf aufzunehmen. So auch die geplanten „Grachten“, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern vor allem der Sicherheit dienen. Polder schützen die Neustadt.

Der Rheinkai, der „am nächsten am Wasser gebaut“, pardon am Rhein gebaut ist, wird bei Hochwasser als erster nicht mehr zugänglich sein. Aber auch die anderen Gebäude Dock 1, das Doxx usw. würden bei Hochwasser zunächst ihre Tiefgarage räumen müssen und im Extremfall gar nicht mehr bzw. nur noch per Boot erreichbar sein.

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