Kommt ein großes Schwimmbad in den Mainzer Zollhafen?

Unter dem Codenamen “Heilige Makrele” entwickeln Alexander Kiefer und sein Team ein Konzept für ein Naturschwimmbad im Hafenbecken. Im Sommer hat man dort tatsächlich die Möglichkeit, in richtig sauberem gereinigten Wasser zu schwimmen. Die Hauptintention ist, dort auf sehr großen Holzdecks und Inseln Ruhe und Sonne zu tanken. Weitere Details zu dem spannenden Plan finden sich in der Pressemitteilung und auf einer neuen Webseite.

Aus England kenne ich so ein Becken, das mit Meerwasser, statt wie hier geplant mit Rheinwasser, gespeist wird. Wegen der großen Wassermenge stelle ich mir das eher kühler als normale Freibäder vor, so ähnlich wie einen Baggersee. Der Jubilee Pool in Penzance in England steht ebenfalls in einem Hafen. Die Hafenmauern sind angestrichen und mit Holzdecks verkleidet.

Coworking im Zollhafen Mainz

Zeit, die Buchhaltung zu erledigen. Zum Glück gute Zahlen, doch wegen der vielen Buchungen wird die Arbeit heute länger dauern, als der Notebook-Akku hält. Eigentlich würde ich gerne in ein Schloss mit Butlerservice gehen (meine Empfehlung: Schlosshotel Rheinfels), oder in ein Café mit leckeren Torten (Annabatterie), um das trockene Thema zu versüßen. Doch da fällt mir das Coworking im alten Weinlager im Zollhafen ein. Das historische Backstein-Gebäude ist fast wie ein Schloss.

Für den ersten Besuch gibt es aktuell ein Schnupperangebot, d.h. ich brauche nicht bezahlen, um das Flair zu testen. Melanie führt mich durch das gesamte Areal. Es ist tagsüber immer jemand da, den man fragen kann. Monatlich kostet die Nutzung 150€ ohne und 250€ mit Schlüssel für 24/7 Zugang. On demand sind 10€ am Tag kalkuliert. Abschließbare Spinde stehen für alle User bereit.

Der erste Eindruck ist positiv. Die Flächen sind groß, dass keine Corona-Masken (außer in der Küche) getragen werden müssen. Man kann von den Räumen im Erdgeschoss das Wasser sowohl zum Hafen als auch zum Rhein sehen, wenn man kurz vor die Tür geht. Zum Hafen ist es trotz Baustelle direkt ruhiger, weil dort keine Autos fahren. Die WLAN-Geschwindigkeit ist in Ordnung (zum Vergleich: im kostenlosen Coworking des Me and All Hotels sind es 400 MBit/s).

Die Hälfte des Gutenberg Digital Hubs ist Ruhebereich. Hier habe ich mich die meiste Zeit aufgehalten. In der anderen Hälfte treffen sich Gruppen zum Reden. Zusätzlich gibt es Telefonzellen und Meetingräume. Hinter dem Verein, der den Digital Hub betreibt, stehen Stadt, Land, IHK sowie eine Reihe weiterer Mitglieder.

 

Zollhafen und Airlinekrise

Das Maschinen- und Kesselhaus diente früher der Stromerzeugung für den Zollhafen. Wenn man nach Kesselhausbildern sucht, findet man, dass genau im selben Jahr wie in Mainz, 1887, ähnliche Häuser auch in anderen Häfen erbaut wurden. Heute werden solche Kraftwerke zur Stromerzeugung nicht mehr gebraucht. Das historische Gebäude dient jetzt als Museum.

Es regt zum Nachdenken an. Wie wird sich die Bedeutung des Rhein-Main-Gebiets in Zukunft verändern? Was macht unsere Region aus?

  • Aktuell prägt eine seit drei Jahren anhaltende Dürreperiode das Bild vom Rhein. Die Pegel bewegen sich den ganzen Sommer über nur zwischen 2m und 3m. Umfangreiches Algenwachstum ist sichtbar. Wegen des bevorstehenden Klimawandels werden Emissionszertifikate teurer. Es wird über eine Kerosinsteuer diskutiert.
  • Durch die Pandemie wurde der Globalisierungstrend umgekehrt. Die Passagierzahlen am Flughafen sind um 80% eingebrochen. Reisekonzerne sind von Insolvenzen bedroht, Mitarbeiter mit Kurzarbeit konfrontiert.

Das Bild erinnert an die Kohlekrise vor 60 Jahren, als sich die Strukturkrise des Ruhrgebiets andeutete. Das gesamte Ruhrgebiet war einst der Wirtschaftsmotor Deutschlands. Es war zum größten Ballungsgebiet Europas geworden. Wegen zu hoher Preise für Ruhrkohle stürzte die dortige Industrie in eine Krise, aus der sie sich nicht mehr erholte.

Was kann das jetzt für Rhein-Main bedeuten? Hier sind viele Menschen in der Airline-Industrie beschäftigt. Die sinkende Nachfrage durch die Pandemie zeigt die Schwierigkeiten der Branche. Auch hier sind die Kosten, die durch teure Investitionen zusätzlich steigen, hoch. Andere Airports wie Istanbul oder Dubai und Billigflieger arbeiten auf einer niedrigeren Kostenbasis.

Werden wir also in Zukunft das Terminal 3 als Industriemuseum bestaunen dürfen? Werden Piloten und Flugbegleiter das Schicksal der Bergkumpel teilen?

Bildquelle: Kunsthalle Mainz, fotografiert 2008 von Martin Bahmann, CC-BY-SA-3.0-Lizenz

OB-Kandidaten im Zollhafen

Der DGB-Stadtverband Mainz hat heute alle 5 OB-Kandidaten ins schicke 7° eingeladen.

Auf dem Weg dorthin schaue ich im neuen F. Minthe Biergarten vorbei. Dort sind heute weniger Gäste auf den Liegestühlen als SUP-Yogis auf dem Wasser. Beim Rübergehen erfahre ich, dass Désirée in Kürze die SUP-Yogakurse von Lisa übernehmen wird.

Angekommen im propenvollen 7° bemerke ich gleich Michael Ebling (im Anzug) und Tabea Rösner (in Lederjacke). Weitere anwesende Kandidaten sind Nino Haase, Martin Erhardt und Martin Malcherek. Martin Erhardt sagt schon zu Anfang, dass er seine Masterarbeit über den Zollhafen geschrieben hat. Die Kandidaten haben für jede Frage nur 90 Sekunden Redezeit. weiterlesen “OB-Kandidaten im Zollhafen”